Wann wurde Ihre Faszination für Technik geweckt?

In meinem Elternhaus war das Thema Technik allzeit präsent. So wurde am Familientisch über Änderungen im und ums Haus gesprochen und wir Kinder wurden in die Pläne und Umsetzung miteinbezogen und durften mit anpacken.  

Sie haben später Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie mit Vertiefung Giessereitechnik studiert. Wie sind Sie auf diesen Studiengang gekommen?

Hier hat der Zufall eine grosse Rolle gespielt. In der Nähe meiner Heimatstadt wurden bei einer Giesserei Werkstudenten gesucht, die während des Studiums eine Förderung durch das Unternehmen erhalten und in den Semesterferien die praktische Umsetzung in der Giesserei vermittelt bekommen. Kurzerhand bewarb ich mich, ohne genau zu wissen, worauf ich mich einlassen würde. Als ich in den einzelnen Abteilungen der Giesserei einen Einblick gewinnen konnte, war meine Faszination geweckt. Wenn aus verschiedenen Rohstoffen und hochkomplexen Fertigungsabläufen Bauteile entstehen oder man neben einem Giessofen steht, aus dem 1450° C heisses Eisen fliesst, ist das unglaublich beeindruckend. Von diesem Moment an stand mein Berufswunsch fest. Mit den dann folgenden Arbeiten in der Giesserei, die ich während meinen Semesterferien absolvierte, bestätigte sich, dass ich das richtige Studium gewählt hatte.

Wenn man Giesserei hört, denkt man an muskelbepackte Schwerarbeiter. Wie fühlen Sie sich in dieser Männerdomäne?

Der Giessereibetrieb ist vorwiegend von Männern geführt und man findet bis heute leider nur wenige Frauen in dieser Branche. Ich erlebe das Umfeld jedoch als durchwegs positiv und bodenständig. Ich habe das Glück, dass ich bei GF Automotive stets gefördert werde - sei es mit spannenden Projekten oder Trainings und Weiterbildungen. Mit grossem Engagement und Herzblut stehe ich voll für das Unternehmen ein. Ein gesundes Selbstbewusstsein und sicheres Auftreten gehören in dieser Position dazu. Man sollte sich jedoch immer treu bleiben. Ob ich mehr leisten muss als ein Mann in gleicher Position? Ich denke nicht.

Auf welche Reaktionen stossen Sie, wenn Sie von Ihrem Beruf erzählen?

Anfangs stosse ich oft auf Skepsis. Dies hängt aber weder mit meiner Person noch mit meinem Geschlecht zusammen. Viele Menschen können sich schlicht nicht vorstellen was ich in meinem Beruf mache. Wenn ich dann anfange zu erzählen, was meine Aufgaben sind, ernte ich oft Begeisterung und auch Anerkennung.

Wie können junge Frauen für technische Berufe begeistert werden?

Man müsste schon während der Schulzeit, sicher aber an den Hochschulen und den Unis den jungen Frauen aufzeigen, welche Möglichkeiten ihnen die technischen Berufe bieten können. Technik ist für viele Menschen etwas Abstraktes. Würde früher informiert werden, könnten sicher viele Hemmschwellen abgebaut werden. Positiv ist sicher auch ein Elternhaus, in dem Technik eine Rolle spielt. Zu guter Letzt wirkt sich eine Person, die einen fördert, hinter einem steht und lenkt, ebenfalls positiv darauf aus, ob man diesen Weg als Frau gehen möchte.

Wie sieht es in Ihrer Branche mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

In einer Position wie der meinen ist es sicher so, dass hoher Einsatz gefordert ist. Ich denke jedoch, dass das in anderen Führungspositionen ähnlich ist. Glücklicherweise habe ich einen Mann der ebenfalls aus der Technikbranche kommt und so meine hohe Einsatzbereitschaft versteht.